Lokale Agenda 21
in Habichtswald
Evangelische Kirche und
lokale Agenda 21
Was hat beides miteinander zu tun?

 
Die Mitglieder unserer Kirchengemeinde werden sicher bemerkt haben, daß die Habichtswalder Agenda 21-Gruppe regelmäßig im Evang. Gemeindehaus zusammenkommt. Mancher mag sich fragen, was diese Gesprächsrunde mit der Kirche zu tun hat und ob das Ganze nicht ein privates Steckenpferd des Ortspfarrers ist.
Ich möchte die Gemeindeglieder herzlich zur Mitarbeit in dieser Gruppe einladen. Mit nachfolgenden Gedanken aus dem katholischen Bistum Mainz kann die Logik der Zusammenarbeit verdeutlicht werden:

“Eine nachhaltig soziale und umweltgerechte Entwicklung der Menschheit ist seit der Konferenz der Vereinten Nationen vom Jahr 1992 in Rio de Janeiro das anerkannte Leitbild der 178 Teilnehmerstaaten aus aller Welt. Zur Umsetzung dieses Leitbildes hat die Konferenz ein umfassendes Handlungsprogramm für das 21. Jahrhundert verabschiedet, die AGENDA 21. Damit ist das Ziel verbunden, gleichzeitig und im Einklang miteinander die natürlichen Lebensgrundlagen für die heutige und die kommenden Generationen zu erhalten, wirtschaftlichen Wohlstand für alle Völker, insbesondere auch die Entwicklungsländer, zu ermöglichen und soziale Gerechtigkeit bei Verteilung und Nutzung der Güter walten zu lassen.

 

 

 

 

 

Die AGENDA 21 ist die Konsequenz aus der Tatsache, daß 80% der Vorräte unserer Erde von nur 20% der Weltbevölkerung verbraucht werden. Diese aufwendige Lebensweise der Industriestaaten ist nicht auf alle Menschen und Länder übertragbar. Deshalb war ein weltweit verbindlicher Aktionsplan notwendig, die AGENDA 21. Ihr Ziel ist also eine sozial gerechte, dauerhaft umweltverträgliche und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der Menschheit.

Die AGENDA 21 wendet sich bei der Umsetzung in praktisches Handeln auch an die Kommunen und an alle gesellschaftlichen Gruppen. Den Kommunen wird im Kapitel 28 des Schlussdokuments von Rio eine entscheidende Bedeutung bei der Verwirklichung der Ziele der AGENDA 21 zugewiesen. Kommunen errichten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und ökologische Infrastruktur für die Bevölkerung. Als Politik- und Verwaltungsebene ist sie dem Bürger am nächsten, spielt somit eine entscheidende Rolle bei der Information und Mobilisierung der Öffentlichkeit.

Dementsprechend haben auch in Deutschland zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise einen eigenen ortsspezifischen AGENDA-Prozess in die Wege geleitet, die Lokale AGENDA 21. Damit soll die langfristige Entwicklung einer Gemeinde gesichert werden. Es gilt zu erkennen und allen bewußt zu machen, daß unsere Lebensweise, unser arbeitsteiliges System, die Flächennutzung und Bauweise, der Verkehr , die Industrieproduktion, die Landschaft, der Konsum, die Freizeitaktivitäten und unser ganzer Lebensstandard mitursächlich sind für die vielen Umweltprobleme, denen die Menschheit gegenübersteht. Im eigenen Umfeld, auf der örtlichen Ebene, im persönlichen Verhalten, können wir am ehesten dafür sorgen, daß durch eine umweltbewußte Lebensweise die natürlichen Ressourcen, vor allem Boden, Wasser Luft, Energievorräte, nicht stärker beansprucht werden, als die Natur aus eigener Kraft regenerieren kann.

Für diesen örtlichen Aktionsplan, ihre jeweilige Lokale AGENDA 21, bedürfen die Städte und Gemeinden der aktiven Mitwirkung ihrer Bürgerinnen und Bürger und aller bei ihnen bestehenden gesellschaftlichen Gruppen, auch der Kirchen. Die Kirchen werden im Schlußdokument der Vereinten Nationen mit den im Kapitel 27 genannten "Nichtstaatlichen Organisationen" (NGO's) als notwendige Partner einer nachhaltigen Entwicklung besonders gewürdigt.

Die Mitwirkung der Kirche an der Lokalen AGENDA 21 entspricht ihrem eigenen biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung. Die Erde ist nicht nur zu unserem Nutzen geschaffen, wir sollen vielmehr den uns anvertrauten Garten Eden bebauen und bewahren (Gen. 2,15).

Daraus folgen vor allem drei Schwerpunkte kirchlichen Handelns:

- die ethische Vertiefung des politisch/gesellschaftlichen Leitbildes nachhal-tiger Entwicklung
- Initiativen zu seiner Umsetzung gerade auch im kirchlichen Bereich
- die Begleitung entsprechender politischer Prozesse.

Der letztgenannte Schwerpunkt kann und soll von den Dekanaten und Kirchengemeinden u.a. durch eine Beteiligung an der Lokalen AGENDA 21 ihrer politischen Heimatgemeinde wahrgenommen werden. Aufgabe der kirchlichen Vertreter ist es dabei, das wichtige Verhältnis zwischen Religion und Ökologie kundzutun: "Ohne einen Gesinnungswandel hinsichtlich der allgemeinen Wohlstandsvorstellungen und unseres Lebensstils bleiben die Bemühungen um eine Reform der gesellschaftlichen Strukturen erfolglos. Es geht um ein Ethos freiwilliger Verantwortung für eine dauerhaft umweltverträgliche Gestaltung der individuellen Lebensbereiche".

Diese Anliegen sollten kirchliche Repräsentanten in die Diskussionen und Planungen um eine zukunftsfähige Entwicklung ihrer politischen Gemeinde einbringen.

Angesichts oft starker politischer Gegensätze, die das notwendige Handeln im Umweltbereich auch auf der lokalen Ebene prägen, können die Vertreter der Kirche als einer nicht von kurzfristigen Eigeninteressen und Abhängigkeiten geprägten Institution wichtige Dienste der Vermittlung leisten.“


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