Zum Thema
Kirchensteuer

"Kirche -Stimmt der Preis?"

 

Die Kirchensteuer

Kirchenaustritte in unserer Gemeinde bewegen uns als Kirchenvorstand in jedem einzelnen Fall. Leider findet meistens keine Kommunikation mehr statt. Auch auf freundlich gemeinte Briefe hin, die die Frage nach den Motiven an die Ausgetretenen richtet, gibt es keinerlei Reaktion der Ausgetretenen. In Gesprächen bei verschiedenen Begegnungen äußern ebenfalls Betroffene durchaus ihr Interesse an religiösen Fragen und Lebensdeutungen. Doch religiös leben könne man eben auch ohne Kirchenmitgliedschaft.
Offenbar stehen die finanziellen Überlegungen dabei sehr im Vordergrund, wenn das auch niemand gern offen sagt. Aus diesem Grund erscheint uns eine Information zum Thema Kirchensteuer angebracht:

Wer zahlt Kirchensteuer?


Kirchensteuerpflichtig sind nur die Mitglieder, die auch Lohn- und Einkommensteuer zahlen. Dagegen zahlen alle Rentner, Minderjährigen, Sozialhilfeempfänger und die unter einem staatlich definierten Einkommensniveau liegenden Mitglieder keine Kirchensteuer. Damit zahlen z.Zt. nur etwa 35% der Mitglieder Kirchensteuer. Um so mehr ist die Kirche zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf diese “Verdiener” angewiesen. Mit einem Kirchenaustritt wird der Evang. Kirche mehr und mehr die materielle Basis entzogen, obwohl gerade auch von Ausgetretenen deren Dienste ständig in Anspruch genommen werden ( wenn z.B. Kinder und nicht verdienende Angehörigen in der Kirche bleiben und deren Dienste suchen).

Wie wird die Kirchensteuer eingezogen?

Die Finanzämter haben diese Aufgabe für die Kirchen übernommen entsprechend den Verträgen zwischen Kirche und Staat. Die eingezogenen 9% auf die Lohnsteuer sind die realen Einnahmen der Kirche. Davon hat sie 3-4% als Seviceleistung dem Staat zu überlassen.
Diese Vergütung für den Staat liegt über den tatsächlichen Kosten. Die Kirche hat aber kaum eine Alternative, denn ein eigenes Einzugssystem kostete die Kirche zirka 20% der Einnahmen! Es leuchtet ein, daß die Kirche dieses Geld sinnvoller einsetzen möchte.

Wie wird die Kirchensteuer berechnet?

Ein Beispiel: Ein Ehepaar ohne Kinder zahlt bei einem Monatseinkommen von 1600,-€ brutto 12,- € Kirchensteuer. Das gleiche Ehepaar würde mit einem Kind 7,64 € und mit drei Kindern keine Kirchensteuer zahlen. Es wird also die reale Finanzkraft zugrunde gelegt – auch ein Prinzip von sozialer Gerechtigkeit.

Was ist der besondere Wert dieser Art des Mitgliedsbeitrages?

Durch regelmäßige und vor allem berechenbare Einnahmen kann die Kirche langfristig und damit sicher planen. Dies kommt den Gemeinden, den zahlreichen kirchlichen und diakonischen Einrichtungen zugute.

Geschichtliches

Bis ins 19. Jhd. hinein bestritten die Kirchengemeinden ihre Ausgaben durch freiwillige Spenden, Erträge aus kirchlichen Vermögen und durch Naturalien. Durch die Industriealisierung und die wachsenden Städte konnten die Aufgaben gerade in den Städten nicht mehr erfüllt werden, da dort die o.g. Einnahmen fehlten. Als Ausweg aus dieser Finanznot bot der Staat den Kirchen ein eigenes Steuerrecht an. Die Höhe dieser Steuer richtete sich nach dem tatsächlichen Bedarf; sie durfte nur zur Deckung der Kosten für Gottesdienste, Besoldung und Religionsunterricht verwendet werden. Alle weiteren Aufgaben mußten durch Spenden gedeckt werden.
Die spätere Einführung der heute bekannten Kirchensteuer führte dazu, daß sich Kirche und Staat weitestgehend voneinander trennten. Sei 1945 können die Kirchen über die Verwendung ihrer Steuer frei entscheiden.

Sind heute Alternativen zur Kirchensteuer denkbar?

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, die alle auch Nachteile haben.
So könnte sich die Kirche z.B. nur über Spenden und Kollekten finanzieren. Das führte zu einer Finanznot, der viele erzieherische und karitative Einrichtungen zum Opfer fallen müßten.
Eine andere Möglichkeit wäre eine Art Kultursteuer des Staates, mit der laufende Kosten beglichen würden. Damit wäre die Kirche wieder vom Staat und der jeweiligen Politik abhängig. Der Spielraum für eigene Wege im Bereich der Bildung, der Erziehung und der kirchlichen Sozialarbeit würde sehr eingeschränkt.
Eine dritte Möglichkeit wäre, daß die Kirchenmitglieder ihre Abgabe – wie auch immer eingezogen – gezielt einem bestimmten Projekt zukommen ließen. Das hätte einen innerkirchlichen Webewettkampf zur Folge. Scheinbar unattraktive Dienste, die aber gerade zum Auftrag der Kirche gehören, hätten dann nur noch wenig Chancen.

So gesehen ist die derzeit bestehende Form des Kirchensteuersystems mittelfristig kaum zu ändern.

Gedanken eines Pfarrers beim Austritt eines Gemeindeglieds finden Sie hier

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